14.02.2017 | Neuigkeiten & Interviews

Konkurrenz belebt das Geschäft


Bekommt die Start-up-Metropole Berlin Konkurrenz aus den Regionen? Und wohin fließt Geld der Investoren? Peter Lennartz, Leiter der Start-up-Initiative von EY, spricht über die wichtigsten Ergebnisse des aktuellen EY Start-up-Barometers.


Die Risikokapitalinvestitionen in Deutschland sinken. Geht es abwärts mit den Start-Ups?

Peter Lennartz: Im Gegenteil! Die Finanzierung der deutschen Start-ups stand 2016 auf einer breiteren Basis als je zuvor. Insgesamt erhielten über 450 deutsche Start-ups Risikokapital. Ein Jahr zuvor waren es nur 383. Auch die Anzahl der Finanzierungsrunden stieg um fast 20 Prozent auf knapp 490 an. Dagegen ging die Gesamtsumme der Investitionen von 3,2 auf 2,2 Mrd. Euro zurück. 

Das erstaunt aber nicht, weil die Mega-Deals des Vorjahres gefehlt haben. So erhielt beispielsweise Delivery Hero 2015 so viel Geld wie die letztjährigen Top 5 zusammen. Darüber hinaus gab es 2015 gleich fünf Großdeals, meist als direkte Folge des IPOs von Rocket Internet. Es führt also in die Irre, die Jahre anhand des Investitionsvolumens zu vergleichen.

Was ist der Grund für diesen Wachstumskick bei den Start-ups?

Lennartz: Da kommen mehrere Faktoren zusammen. Zum einen wird die Qualität der Gründer mit den Jahren einfach besser; viele haben schon mindestens eine Gründung hinter sich und aus den Anfangsfehlern gelernt. Zum anderen haben sich die Start-up-Ökosysteme in Deutschland überwiegend positiv entwickelt und bieten viel mehr Vernetzung und Unterstützung an als je zuvor.

Ganz sicher wirken sich auch neue Strukturen wie Co-Working-Spaces und Acceleratoren-Programme positiv auf junge Unternehmen aus. Diese verbesserten Rahmenbedingungen erleichtern den Gründungsprozess. Und sie schaffen die besten Voraussetzungen dafür, dass das Vertrauen in Start-ups wächst, insbesondere in den Metropolen, aber auch in kleineren Start-up Ökosystemen.

Bekommt Berlin Konkurrenz?

Lennartz: Berlin übt auf Gründer und Talente aus aller Welt nach wie vor eine immense Anziehungskraft aus. Die Stadt ist und bleibt das internationale Aushängeschild der deutschen Start-up-Szene. Das zeigt sich aktuell auch daran, dass eine der einflussreichsten Start-up-Konferenzen der Welt, die TechCrunch Disrupt, von Dezember 2017 an nicht mehr in London, sondern in Berlin stattfindet. Das wäre vor fünf Jahren undenkbar denkbar gewesen.

Aber andere regionale Ökosysteme holen auf. So konnten die Start-ups in Bayern diesmal 527 und die in Nordrhein-Westfalen 141 Mio. Euro einsammeln und damit ihr Volumen kräftig erhöhen ‒ im Gegensatz zu den Gründern in Berlin, die zwar über eine Mrd. Euro für sich verbuchen konnten, aber insgesamt wesentlich weniger Kapital als im Vorjahr erhielten. Darüber hinaus gab es in den meisten großen Bundesländern auch mehr Finanzierungsrunden. Die Konkurrenz schläft also nicht. Aber genau das belebt das Geschäft!

Wer ist denn die Start-Up-Hauptstadt Europas?

Lennartz: London ist in Europa weiterhin das Maß aller Dinge ‒ noch. Es folgen nach unseren Analysen Berlin und Paris. Nachdem die großen Investitionen ausgeblieben sind, steht Berlin ‒ wenn es nach dem Volumen der Finanzierungsrunden geht ‒ allerdings nur noch auf Platz 4 in Europa. Spitzenreiter ist hier London; dorthin flossen 2,2 Mrd. Euro, es folgt Paris mit 1,3 Mrd. Euro. Stockholm hat sich dank des Spotify-Großdeals noch ganz knapp vor Berlin geschoben.

Ich bin gespannt, wer im nächsten Jahr das Rennen macht. Eins steht allerdings fest: Die steigende Zahl an Finanzierungsrunden in den führenden deutschen Gründer-Regionen zeigt deutlich, dass der Start-up-Standort Deutschland weiter an Attraktivität gewonnen hat. Diese Tendenz hat sich in den ersten Wochen des neuen Jahres bestätigt. Und das ist sehr gut so: für die Start-ups und für die etablierten Unternehmen, die davon profitieren!

Die detaillierten Ergebnisse des Start-up-Barometers findet ihr unter www.de.ey.com/presse

 

Peter Lennartz

Peter Lennartz
leitet die Start-up-Initiative von EY in Deutschland. Mehr Informationen findet ihr unter www.de.ey.com/presse sowie auf dem EY-Facebook-Account. Für weitere Fragen wendet euch bitte an peter.lennartz@de.ey.com.

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